Weidenrinde (Salicis cortex)

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weidenrinde
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Uraltes Mittel gegen Schmerzen

Weidenrinde (Salicis cortex) besteht aus der Rinde junger Zweige der Weide (Salix). Es existieren rund 400 Weidenarten. Als wirksame Lieferanten gelten Weiden, die einen Mindestgehalt an Salicylalkohol-Derivaten (Salicylate wie Salicin oder Salicortin) enthalten, insbesondere Silberweise (Salix alba) und Purpurweise (Salix purpurea).

Weidenrindenzubereitungen, gekocht aus der frischen oder getrockneten Rinde, Rindenstücken oder jungen Zweigen der Weide, werden seit Urzeiten als hochwirksames Arzneimittel gegen Fieber und Schmerzen angewendet. Der Wirkstoff ist heute gebräuchlich in Aspirin oder ASS-Tabletten.

Von der Weidenrinde zur Aspirintablette

Germanen, Kelten und Römer haben sich der Heilwirkung aus der Weidenrinde bedient. Die schmerzlindernde, entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung war Ärzten bekannt. Der entscheidende Wirkstoff, das Salicin, wurde vor rund 200 Jahren erstmals aus der Weidenrinde isoliert. Es hemmt die Produktion der Prostaglandine, der Botenstoffe bei Entzündungen, mit dem schmerzlindernden und fiebersenkenden Effekt. Zehn Jahre später wurde Salicylsäure als pharmakologisches Medikament als Schmerzmittel auf den Markt gebracht. Die Weiterentwicklung der Salicylsäure zum Wirkstoff Acetylsalicylsäure, die hinter dem heute weltweit bekannten Markennamen Aspirin steckt, wurde 1897 erstmalig aktenkundig. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Aspirin zu einem enormen Markterfolg der Firma Bayer nach einem modifizierten Herstellungspatent von 1921.

Wer war wirklich der Erfinder?

Die Erfindung im Hause Bayer wird Felix Hoffmann zugeschrieben. Die Leistung gilt als historisch umstritten, da einiges darauf hindeutet, dass der jüdische Arthur Eichengrün der eigentliche Erfinder war. Er war nach der Zulassung von Aspirin Leiter der pharmazeutischen Abteilung der Bayer AG. Hoffmann Leiter der Marketing-Abteilung. In der Zeit des Nationalsozialismus war es gängige rassistische Praxis, jüdische Errungenschaften zu leugnen. Selbst die Beteiligung Eichengrüns war seitens des Pharmakonzern unerwähnt geblieben. Eichengrün selbst hat aus dem Konzentrationslager heraus schriftlich festgehalten, dass Hoffmann nur seine Anweisungen ausgeführt habe, die er während seiner, Eichengrüns Forschungsarbeit zu Aspirin erhalten habe. Seit 1977 steht Aspirin auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Wirkung von Weidenrinde

Der Körper wandelt das Salicin aus der Weidenrinde in der Leber um in Salicynsäure. Der Effekt ist wird nicht als ebenso stark empfunden, wie in den pharmakologischen Fertigmedikamenten aus der Apotheke. Dafür fallen die Nebenwirkungen von Weidenrinde gegenüber Aspirin, ASS & Co für den Magen weniger drastisch aus.

Wirkung von Aspirin

Acetylsalicylsäure (ASS) wirkt gerinnungshemmend auf das Blut. Diese Wirkung sowie seine schmerz- und entzündungsstillenden Eigenschaften werden aufgrund der reduzierten Prostaglandine erreicht, jene Botenstoffe, die für Entzündungen, Schmerz und Blutgerinnung verantwortlich sind. Die Wirkung von ASS auf die Thrombozyten, die Blutplättchen, die für die Blutgerinnung und Schließung von Wunden zuständig sind, geht nicht zurück. Die gerinnungshemmende Wirkung erlischt nach ca. einer Woche , wenn neue Thrombozyten gebildet werden.

Eine Belastung für den Magen kommt durch die Beteiligung der Prostaglandine an der Magensäureproduktion und an der Durchblutung der Magenschleimhaut zustande.

Die genaue Wirkungsweise der Acetylsalicylsäure hat John Robert Vane 1971 einen Nobelpreis für Medizin eingebracht.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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