Der Weichmacher DEHP in unserem Leben

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Kein Grund zur Entwarnung

Der Weichmacher Bis(2-ethylhexyl)phthalat (weitere Bezeichnungen: Diethylhexylphthalat (DEHP) oder Dioctylphthalat (DOP)) wird als Weichmacher bei der Kunststoffverarbeitung verwendet. Er sorgt für die Flexibilität der hergestellten Gegenstände. Gesetze zur Verwendung dieser Substanz wurden in den USA und in Europa in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Aber bietet das umfassenden Schutz? Durch ein neu entwickeltes Verfahren, kann nun auch die kleinste Menge an DEHP nachgewiesen werden. Die neuseeländischen Wissenschaftler Subhas Mukhopadhyay und Dr. Asif Zia (School of Engineering and Advanced Technology, Massey-Universität) entwickelten einen elektrochemischen Sensor, der schnell und zuverlässig nachweist, wie viel gefährliche Substanz aus dem Plastik ausströmt und auch in unsere Lebensmittel sickert.

Nur eingebettet

Das Molekül DEHP geht nämlich keine stabile chemische Bindung mit der Kunststoffmatrix ein. Es wird nur in die Struktur eingebettet. Die Folge ist fatal: Mit der Zeit entweicht DEHP und reichert die verpackten Lebensmittel an. Das in Neuseeland entwickelte Prüfgerät ist nur 2,5 mm³ groß und kann in Flüssigkeiten die darin enthaltene DEHP Moleküle messen.

Gesetzeslage

Mit der Kennzeichnung, ob und wie viel DEHP in der Plastikverpackung steckt, wird es weltweit nicht so genau genommen. Häufig fehlt sie ganz. Die Verunsicherung der Verbraucher ist dementsprechend. Denn keiner kann uns sagen, in welcher Konzentration der toxische Stoff aus der Plastikverpackung frei werden kann. Es ist also eine unsichtbare Gefahr für unsere Gesundheit.

Ende 2008: Kunden-Informationspflicht für alle Artikel, die DEHP enthalten. (Europäische Chemikalien-Agentur ECHA)

Seit Anfang 2015: DEHP darf nicht mehr ohne Zulassung in Verkehr gebracht werden. (REACH-Verordnung, EU-Chemikalienverordnung )

Für ältere oder von außerhalb der EU stammende Produkte gelten diese Verordnungen verständlicherweise nicht. Die REACH Verordnung bemüht sich deshalb darum, die Einfuhr von DEHP in den EU-Raum auf eine Tonne des jeweiligen Chemieprodukts zu beschränken. Verstöße werden in Deutschland geahndet. Aber es bleiben weiterhin Lücken im System.

Zu spät?

Weder die bestehenden Regelungen in den USA och in der EU geben Grund zur Entwarnung. Die Erfindung des DEHP-Messgerätes kommt also nicht zu spät. Menschen, die außerhalb dieser Gesetzeszonen leben oder sich länger dort aufhalten, können so prüfen, ob die Grenzwerte der Kontamination überschritten wurden.

„Plastik ist ein Lebensstil, man kann das kaum vermeiden. Wir nehmen jeden Tag geringe Mengen dieser Zusatzstoffe auf, die sich über längere Zeit im Körper ansammeln und Schwierigkeiten verursachen können.“
(Dr. Asif Zia, School of Engineering and Advanced Technology, Massey-Universität)

Gesundheitliche Folgen

Nachdem man DEHP lange als „Teratogen“ eingestuft hatte, also als chemische Substanz, die bei Embryonen zu Fehlbildungen führt, spricht man mittlerweile sogar von einer „reprotoxischen Substanz“. Das bedeutet, dass über die Schädigung des Kindes im Mutterleib auch die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt werden kann. DEHP verändert das menschliche Hormonsystem und gilt somit als „Endokriner Disruptor“ (hormonaktiver Stoff), der vor allem männliche Neugeborene schädigt.

Oberhalb von 6 ppb stuft die Weltgesundheitsorganisation WHO die Konzentration von DEHP als gefährlich ein. Eine Unterorganisation der WHO, die International Agency for Research on Cancer, stuft DEHP als “potentiell krebsfördernde Substanz” ein.

Neues Messverfahren

Der von Subhas Mukhopadhyay und Dr. Asif Zia entwickelte Sensor gleicht einem chemischen Klettband. Er spricht bereits bei einer Konzentration von 2 ppb an und filtert die DEHP Moleküle aus der untersuchten Flüssigkeit. Schwache Wasserstoffbrückenbindungen halten sie fest am Sensor, bis die Probe gewässert und mit einem Wechselstromwiderstand ausgewertet wird.
Dabei steht bei diesem Verfahren sowohl die Einfachheit und Schnelligkeit im Vordergrund, als auch die Robustheit des Gerätes. Frühere kompliziertere Verfahren dauerten bis zu einer Woche, diese neue nur wenige Minuten.

Umgeben von Plastik

DEHP findet sich nicht nur in Lebensmittelverpackungen, sondern auch in Kinderspielzeugen, Bodenbelägen, Dichtungen, Schläuchen, Schreibwaren, Verpackungen, Planen, Vorhängen, Matratzen, bedruckten T-Shirts und Werkzeugen bis hin zu Medizinprodukten usw. Auch wenn DEHP in einigen Ländern aus Plastik bereits verbannt wurde, strömen die kontaminierenden Stoffe aus älteren Produkten und aus Produkten anderer Länder weiter aus. Das Thema ist durchaus als global einzustufen.
Der neu entwickelte Sensor könnte irgendwann zu einem integrierten Bestandteil intelligenter Häuser werden, um die vorhandenen toxischen Stoffe zu messen.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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