Vitamin D3 (Cholecalciferol)

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Bezugsquelle: Vitamin D3

Das Vitamin, das aus der Sonne kommt

Cholecalciferol (auch Colecalciferol oder Calciol, Vitamin D oder Vitamin D3) ist eine Vorstufe des aktiven Vitamin D. Es besitzt die Funktion eines Prohormons, das erst durch Sonnenlicht oder künstliche UV-Strahlen tatsächlich Vitaminfunktion entwickeln kann. Vitamin D3 ist die Form, die nach der Aufnahme der UVB-Strahlen über die Haut von der Leber hergestellt wird. Die Niere ist bei der Umwandlung in die benötigte aktive Form beteiligt.

Innerhalb des endokrinen Vitamin D-Systems des menschlichen Organismus wird so Cholecalciferol – oder Vitamin D3 – im Körper mithilfe von Sonnenlichteinwirkung gebildet (UVB-Strahlen).

Es ist von zentraler Bedeutung für den Calciumstoffwechsel, den Knochenaufbau und die Reifung von Immunzellen.

Vitamin D aus der Nahrung

Cholecalciferol kann auch über die Nahrung aufgenommen werden und ist in Fettfischen reichlich vorhanden. Weitere Lieferanten sind Avocado, Steinpilze und Pfifferlinge, Milch und Eier. Über die Nahrung aufgenommenes Vitamin D wird im Dünndarm resorbiert. Von dort gelangt es zusammen mit den Fetten über die Lymphe in die Blutbahn. Es besitzt eine Halbwertzeit von bis zu 25 Stunden. In dieser Zeitspanne wird es entweder im Fettgewebe gelagert oder in der Leber zu einer Speicherform von Vitamin D3 umgewandelt. Die Halbwertzeit dieser Speicherform beträgt wiederum ein bis zwei Monate.

Evolutionsgeschichtliches

Evolutionsgeschichtlich kann man sich das System so vorstellen, dass vor etwa einer Million Jahre die ersten Menschen von Afrika in Richtung Norden wanderten. Ihre zum Schutz vor Sonne ursprünglich dunkle Haut mit vielen Pigmenten wurde in den nördlicheren Regionen immer heller, denn es galt, die kürzeren Sonnenzeiten für die Vitamin D-Produktion auszunutzen. Eine Ausnahme bilden die Eskimos, die sich selber Inuit nennen. Sie bewohnen erst seit evolutionsgeschichtlich kurzer Zeit die Arktis und decken ihren Cholecalciferol-Bedarf über fetthaltige Fische.

Als Mangel an Vitamin D war die Krankheit Rachitis in den Industriestädten des 18. und 19. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika stark verbreitet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Verbindung von Sonnenlicht, Vitamin D3 und der Zivilisationskrankheit, die vor allem Kinder betrifft, entdeckt.

Namensgeschichte von Vitamin D

Die Suche nach einem Heilmittel gegen Rachitis war denn auch der Anfang der Entdeckung von Vitamin D. Es war Anfang des 10. Jahrhunderts bekannt, dass Rachitis durch Sonnenlicht geheilt werden kann. Den entscheidenden Faktor vermutete der Wissenschaftler Sir Edward Mellanby 1919 im kurz zuvor entdeckten Vitamin A, das beispielsweise Bestandteil von Lebertran ist. Vitamin A wird durch Oxidation zerstört, weiterhin konnte aber oxidierter Lebertran bei Rachitis helfen. Es musste also ein weiterer Stoff enthalten sein, der unabhängig von Vitamin A wirksam war. Der Kinderarzt John Howland und der Chemiker McCollum nannten diesen Stoff Vitamin D, denn es war das vierte entdeckte Vitamin.

Ist Vitamin D ein Vitamin oder nicht?

Laut Definition werden Vitamine zum Leben benötigt, können aber nicht vom menschlichen Körper hergestellt werden. Vitamin D, in seiner aktiven Form Vitamin D3, dagegen wird im Körper gebildet. Daher ist es streng genommen kein echtes Vitamin, sondern ein Prohormon. Man spricht von der Vitamin D-Gruppe, unter der sich neben Cholecalciferol (Calciol, bzw. Vitamin D3) noch weitere Substanzen subsummieren wie Calciferol aus Pflanzen (Vitamin D2), Lumisterol (Vitamin D1), 22,23-Dihydroergocalciferol (Vitamin D4) und Sitocalciferol (Vitamin D5).

Was kann Vitamin D?

Vitamin D schützt zum einen vor den Mangelkrankheiten Rachitis bei Kindern und Osteomalazie bei Erwachsenen, einer schmerzhaften Knochenerweichung. Erst Ende des 20. Jahrhunderts hat die Forschung weitere Vorteile von Vitamin D erkannt. So ist Cholecalciferol an der Zelldifferenzierung beteiligt und an der Kontrolle hormonaler Systeme. Außerdem ist es wichtig für die Entwicklung und reibungslose Funktion von Nerven- und Muskelgewebe. Ein Vitamin D-Mangel kann einer der Auslöser sein für Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose, Morbus Crohn, systemischer Lupus erythematodes oder Diabetes mellitus Typ 1. Mangel an dem Vitamin kann unter Umständen auch verantwortlich sein für Tuberkulose, Bluthochdruck oder Hautkrankheiten wie Psoriasis. Eine protektive, vorbeugende Wirkung wurde von Vitamin D mit Calcium gegenüber Dickdarmkrebs erkannt. Viele dieser Krankheiten sind offenbar multifaktoriell, mit Vitamin D als einem entscheidenden Faktor.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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