Schlagwort-Archive: Wassersucht

Fingerhut (Digitalis)

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

fingerhut
© Marina Lohrbach – fotolia.com

Gift und Herzmedizin

Unter den Fingerhüten ist der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) in Mitteleuropa am stärksten verbreitet. Die dekorative Pflanze mit den großen Blüten ist hochgiftig. Sie gehört zu der Gattung der Fingerhüte (Digitalis) und der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). 2007 wurde der Rote Fingerhut zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Auch andere Arten wachsen in unseren Regionen (z.B. der Gelbe Fingerhut, der Großblütige Fingerhut oder der Wollige Fingerhut), sie alle sind ebenso giftig für Mensch und Tier.

Der lateinische Name weist auf die besondere Blütenform hin (lt. Digitus, Finger). Auch andere Trivialnamen nehmen Bezug auf diese charakteristische Form, z.B. Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Fingerkraut oder Eisenhut. Die bis zu zwei Meter aufrecht wachsende, krautige Pflanze trägt aber auch harmlos klingende Namen im Volksmund wie Waldglöckchen, Waldschelle oder Fuchskraut.

Schönheitselexier und Heilmittel

Als Heilpflanze wurde Digitalis seit dem 5. Jahrhundert eingesetzt. Als Brech- und Abführmittel führte der Einsatz durch Vergiftung oft zum Tod. Doch möglicherweise verwendeten schon die Römerinnen des Altertums Augentropfen aus Fingerhut, um ihre Augen durch erweiterte Pupillen ausdrucksvoller wirken zu lassen.

Der Durchbruch als Herzmittel

1786 wurde die herzwirksame Wirkung des Fingerhut mit richtungsweisender Dosierungsanleitung erstmals wissenschaftlich belegt durch den Schotten William Withering. Er war auf der Suche nach einem Heilmittel gegen Ödeme (Wassereinlagerungen in den Beinen), die von einer Herzinsuffizienz herrührten, auch Wassersucht genannt. Auf den Spuren einer Kräuterfrau stieß er auf die auffällige Pflanze und experimentierte mit durchschlagendem Erfolg.

Wirkungsvolles Herzmedikament

Der wichtigste Wirkstoff in Fingerhut ist Digitalis. Es kann den Herzmuskel stärken und den Herzschlag beeinflussen.

Die Dosierung ist sehr schwierig, denn todbringende Dosis und heilende Wirkung liegen eng beieinander. Erst nachdem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die wirksamen Digitalisglycoside isoliert werden konnten, wurde der Wirkstoff zu einem der wichtigsten Herzmedikamente. Die Herzglykoside sind in der Lage, die Herzfrequenz zu senken. Auch kann der geschwächte Herzmuskel zu einem verstärkten Zusammenziehen angeregt werden.

Heute wird der Wollige Fingerhut und der Rote Fingerhut zur Gewinnung des enthaltenen Digitalis für die medikamentöse Behandlung von Herzkrankheiten angebaut.

Vorsicht, Gift!

Alle Teil der Pflanze sind giftig. Bereits der Verzehr von zwei Blättern kann zum Tod führen. Vergiftungserscheinungen sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindel und eine absinkende Pulsfrequenz auf unter 50 Schläge pro Minute. Herzwirksame und daher äußerst gefährliche Digitaloide enthalten auch andere Pflanzen wie Maiglöckchen, Oleander und die Christrose.

Der Fingerhut wächst gerne an Waldrändern oder auf Waldlichtungen. Als Zierpflanze wird er häufig in Gärten kultiviert.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

© 2015 Gesundbuch Verlag. Alle Rechte vorbehalten.

Ackerschachtelhalm (Zinnkraut)

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

ackerschachtelhalm
© DoraZett – fotolia.com

Eine Heilpflanze gerät in Vergessenheit

Ca. 70 n. Chr. lobte der griechische Arzt Dioskurides die wassertreibenden Eigenschaften von Ackerschachtelhalm. Seine Arznei gewann er aus den oberirdischen grünen Trieben dieses vermeintlichen Unkrautes.

Im Mittelalter wurden die getrockneten Sommertriebe zum schonenden Scheuern und Polieren von Holz- und Zinngeschirr verwendet. Daher auch der volkstümliche Name „Zinnkraut“. Weitere Bezeichnungen wie Schaftheu, Zinnkraut, Scheuerkraut und Kannenkraut verweisen auf die Verwendung als Putz- und Poliermittel hin.

Ein Pfarrer entdeckt eine Heilpflanze wieder

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) steigerte die Harntätigkeit um 1/3, indem er durch eine Kur mit Schachtelhalm-Tee Patienten mit Stoffwechselkrankheiten wie Rheuma und Gicht Linderung verschaffte.

Und heute?

Urs Buergi empfiehlt Ackerschachtelhalm bei Menschen mit Bindegewebsschwäche, brüchigen Fingernägeln und Haaren und Bandscheiben-Schäden. Der mit 68% sehr hohe Gehalt an Kieselsäure, wovon sogar 10% wasserlöslich ist, ist für diese Beschwerden ideal.
Bäder mit Ackerschachtelhalm regen den Stoffwechsel an und fördern die Durchblutung. Bei Unterschenkelgeschwüren und Beinödemen, ja sogar bei Frostbeulen, zeigen diese Bäder eine gute Wirkung.
Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über einen Einsatz von Ackerschachtelhalm.

Ackerschachtelhalm unter der Lupe

(Equisetum arvense)

Klasse: Equisetopsida
Ordnung: Schachtelhalmartige (Equisetales)
Familie: Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)
Gattung: Schachtelhalme (Equisetum)
Art: Acker-Schachtelhalm
Andere Bezeichnungen: Zinnkraut, AckerZinnkraut, Katzenwedel, Pferdeschwanz, Schaftheu, Pfannebutzer oder Scheuerkraut.

Als mehrjährige Pflanze ohne Blüten vermehrt sich Ackerschachtelhalm durch Sporen.

Tee

Die unterirdischen, schwarzen Wurzeln bilden je einen Frühlings- und einen Sommertrieb aus. Diese zarten Triebe eignen sich zur Herstellung von Kräutertee.

Auch die ausgetriebenen, grünen Stängel können geerntet und getrocknet werden. Bei der Trocknung auf Schatten und guter Belüftung achten. Der Tee aus den Stängeln kann unabhängig der Jahreszeit genossen werden.

Bindegewebe

Ackerschachtelhalm kann Menschen mit Bindegewebsproblemen helfen. Große Mengen an Kieselsäure wirken elastizitätsverbessernd.
TIPP: Sammelzeit ist im Sommer. Jüngere Pflanzen enthalten mehr Kieselsäure als ältere.

Hautprobleme

Auch die Haut ist vom hohen Anteil an Kieselsäure begeistert. Kieselsäure strafft die Haut und verbessert die Durchblutung. Die adstringierende Wirkung zieht die Poren zusammen und nutzt deshalb besonders bei Erkrankungen wie Akne, entzündeter oder unreiner Haut.
TIPP: Beim Kauf von Naturkosmetik auf den Bestandteil Ackerschachtelhalm achten.

Knochen und Zähne

Gesunde und harte Finger- und Fußnägel, kräftige Zähne und der Aufbau neuer Knochen profitiert ebenfalls vom Kieselsäureanteil.

Nierenkrankheiten

Die Blase und die Prostata bedürfen einer regen Harntätigkeit. Diese wird von Ackerschachtelhalm angeregt. Wasserstauungen und Wassersucht können gemildert werden.

Wirkung und Anwendung

  • Blasenleiden
  • Blutungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Erhöht die Elastizität des Bindegewebes
  • Fördert Knochenaufbau
  • Frostbeulen
  • Hämorrhoiden
  • Hautentzündungen
  • Hautleiden
  • Kieselsäuregehalt ist immunstimulierend
  • Krampfadern
  • Nierenleiden
  • Prostataleiden
  • Rheumatische Beschwerden
  • Schwache Menstruation
  • Wassersucht
  • Wundheilung
  • Rheumatischen Erkrankungen
  • Gicht
  • Husten
  • Asthma
  • Wasserstauungen
  • Hautunreinheiten
  • Brüchige Fingernägel
  • Haarschäden
  • Wirkt positiv auf Haare, Haut und Fingernägel

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

© 2015 Gesundbuch Verlag. Alle Rechte vorbehalten.