Mensch versus Bakterien: Antibiotika wirken nicht mehr

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Antibiotika-resistent

Bakterien sind Überlebenskünstler! Treffen sie auf eine Chemikalie wie Antibiotikum, die sie töten soll, dann sterben nur die Schwächsten. Die Überlebenden verändern sie sich und entwickeln Resistenzen… und sie geben die Resistenz an die nächste Generation Bakterien weiter. Bakterien können untereinander und sogar artübergreifend Gene austauschen.

Natürliche Konsequenz

Für den Menschen bedeutet dieser Umstand, dass mit der Häufigkeit eines Antibiotikum-Einsatzes die Gefahr einer Antibiotikaresistenz steigt. Denn je öfter ein Antibiotikum eingesetzt wird, desto schneller verbreiten sich die Gene, die eine Resistenz weitergeben. Schwere Antibiotika-resistente Infektionen sind die Folge.

  • 74% der Antibiotika werden von Allgemeinärzten verschrieben
  • 18% der Antibiotika werden in Krankenhäusern verabreicht

Im Zeitraum von 2011 bis 2014 stieg der Einsatz von Antibiotikum bei ambulanten Patienten um 8,5% und bei stationären Patienten um 11,7%. Breitbandantibiotika sollen gegen viele verschiedene Bakterienarten wirksam sein, de facto leisten sie jedoch Antibiotikaresistenzen Vorschub.

Reserveantibiotika

Immer öfter müssen deshalb Reserveantibiotika eingesetzt werden.

  • Die Verwendung von Carbapeneme nahm um 36% zu.
  • Die Verwendung von Piperacillin/Tazobactam nahm um 55% zu.

Selten, aber zunehmend öfter werden sogar beide Reserveantibiotika zusammen verwendet.

Escherichia coli Bakterien

Speziell Antibiotika resistente Infektionen mit Escherichia coli Bakterien haben stark zugenommen. Dieser Bakterienstamm kann Erbrechen, Magenkrämpfe, z.T. blutige Durchfälle, Nierenversagen und Tod mit sich bringen.
Im untersuchten Zeitraum von 2011 bis 2014 stieg die Zahl der Escherichia coli – Blutbahninfektionen um 15,6%. Dabei blieb der Anteil der der Antibiotikaresistenten Escherichia coli Bakterien die ganze Zeit gleich. Daraus kann gefolgert werden, dass sich die Menschen mit bereits resistenten Bakterien ansteckten. Escherichia coli musste gar keine Anstrengung unternehmen stärkere Resistenzen zu entwickeln. Diese Bakterien sind bereits stark genug.

Klebsiella pneumoniae Bakterien

Auch gegen Infektionen durch Klebsiella pneumoniae ist immer öfter kein Antibiotikum mehr gewachsen. Dieser Bakterienstamm verursacht Infektionen der Lunge und der Harnwege und kann zu Blutvergiftung führen.
Im untersuchten Zeitraum von 2011 bis 2014 stieg der Anteil der Blutbahn-Infektionen mit Klebsiella pneumoniae um 20,8%.

Public Health England

Zu diesen Zahlen und Erkenntnissen kommt ein neuer Bericht des Public Health England, einer Behörde des Britischen Gesundheitsministeriums. Der untersuchte Zeitraum lag zwischen den Jahren 2010 und 2014.

„Für den NHS als einen der größten Healthcare-Anbieter weltweit ist es wichtig, im Kampf gegen das globale Problem der antimikrobiellen Resistenz eine Führungsrolle einzunehmen, damit diese immens wichtigen Wirkstoffe für jetzt und für künftige Generationen erhalten bleiben.“
(Dr. Mike Durkin, englischer nationaler Gesundheitsdienst NHS für Patientensicherheit )

Neue WHO Kampagne

Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor dem unbedachten Einsatz von Antibiotikum. Die neue Kampagne „Vorsicht beim Umgang mit Antibiotika“ richtet sich sowohl an Ärzte, als auch an die Patienten. Mediziner sollen Antibiotika zurückhaltender verschreiben und Patienten sollen nur dann Antibiotikum einnehmen, wenn es ihnen vom Arzt verschrieben wurde. Auch sollten die Einnahmeempfehlungen besser eingehalten werden, da z.B. auch ein zu frühes Absetzen des Medikamentes die Resistenz des Bakterienstammes fördern kann.

„Die Ärzte müssen Antibiotika wie einen knappen Rohstoff behandeln.“
(WHO-Generaldirektorin Margaret Chan)

Einsatz von Antibiotikum

Antibiotikum wird gebraucht, um das Leben der Patienten während eines chirurgischen Routineeingriffes oder einer Chemotherapie zu schützen. Es verbessert die Überlebenschance von Frühchen und rettet bei schweren Infektionen Leben. Wir sollten dieses Medikament wirklich nur dann einsetzen, wenn akute Lebensgefahr besteht.

Aufwand ist zu hoch

Zwischen 1960 und 1990 kamen 40 neue Wirkstoffe auf den Markt. Seit 2000 ist es nur noch eine Hand voll. Die Entwicklung eines neuen Antibiotikums kostet zwischen einer halben und einer Milliarde Euro. Aufgrund der neuen Resistenzen wird auch ein neues Mittel schnell unwirksam. Es ist also schlicht ökonomisch nicht rentabel für die Pharmaindustrie neues Antibiotikum zu entwickeln. Die Folge ist: Es werden ältere und nicht mehr so wirksame Präparate verwendet. Das wiederum hat zur Folge, dass weiter Resistenzen gefördert werden.

„Die Zunahme Antibiotika-resistenter Stämme ist eine globale Gesundheitskrise.“
(WHO-Generaldirektorin Margaret Chan)

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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