Holunder (Sambucus nigra)

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holunder
© Johanna Mühlbauer – fotolia.com

Weiße Blüte, schwarze Frucht

Holunder (Sambucus) ist ein Strauch aus der Familie der Moschuskrautgewächse. In Mitteleuropa ist der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) am stärksten verbreitet. Er ist unter liebevollen Trivialnamen bekannt wie Fliederbeerbusch, Holler oder Holder und gilt als uralte heimische Heilpflanze. Viele Mythen und Märchen ranken sich um den wüchsigen Busch, der in keinem Bauerngarten fehlen durfte und Waldränder und Wiesen säumte. Er bevorzugt stickstoffreiche Böden.

Geheimnisvoll und wirkungsreich

Vor Blitzschlag sollte Holunder in Volksglauben schützen, vor Hexen, Geistern und Dämonen. Stattdessen sollten sich den Menschen wohlgesinnte Hausgeister im Holunder wohlfühlen. Das Ausgraben eines Holunderstrauchs sollte Unglück heraufbeschwören, ein Verdorren gar den Tod vorhersagen. Manche meinen, dass der Holunder seinen Namen der nordischen Göttin Holle verdankt, die sich als die gute Frau Holle in dem Grimm-Märchen wiederfindet.

Möglicherweise leitet sich der Name auch von „hohl“ ab. Aus den hohlen Zweigen des Holunder, aus denen sich leicht das Mark lösen ließ, schnitzten sich Generationen von Kindern ihre erste Flöte und Blasrohre. Als schweißtreibendes Hausmittel wurde er gegen fiebrige Erkältungen und eine Reihe anderer Krankheiten angewendet.

Inhaltsstoffe

Zu den Inhaltsstoffen des Holunder zählen ätherische Öle, Flavonoide, Phenolcarbonsäuren wie die Chlorogensäure, Triterpene und Schleimstoffe. Es werden Rinde, Blüten und die schwarzen Beeren des Strauches verwendet. Aus den Blüten wird ein klarer Sirup hergestellt oder getrocknet als Tee aufgegossen.

Beeren, Rinde und Blättern enthalten ein schwaches Gift, das cyanogene Glycosid Sambunigrin, das zu Erbrechen und leichten Krämpfen führen kann. Durch Erhitzen zerfällt das Sambunigrin, deshalb findet man Holunderbeeren oft in gekochten Zubereitungsformen wie Holunderbeerensaft, Holunderbeermarmelade oder Fliederbeersuppe.

Das pflanzliche Heilmittel stärkt

Der Saft aus den Beeren, die Beeren selbst sowie Tee aus Blüten oder der Rinde gelten als Hausmittel gegen fiebrige Erkältungen mit schweißtreibender Wirkung, das Herz und Kreislauf stärkt. Die Wirksamkeit der Beeren erklärt sich aus reichlich Vitamin C und Vitamin B, den Fruchtsäuren und ätherischen Ölen, die auch Bestandteil der Blütenstände sind. Die starke antioxidative Wirkung der Anthocyanidine in den blauschwarzen Pflanzenfarbstoffen der Beeren schützt vor oxidativem Stress in den Körperzellen, verstärkt durch das Vitamin C. Diese Komponenten stärken das Immunsystem.

Fiebrige Erkältungen ade

Traditionell gelten Holunderbeeren als schmerzstillend und entzündungshemmend. Die ätherischen Öle besitzen einen schweißtreibenden und schleimlösenden Effekt, der das Fieber senkt und den Auswurf von Bronchialsekreten erleichtert. Die Beeren besitzen zusätzlich eine schwach abführende Wirkung. Getrocknete Blüten (Flores Sambuci) werden als Teekräuter von Apotheken, Drogerien und Reformhäusern geführt.

Die lange Liste der segensreichen Anwendung

Die Anwendung in der Hausmedizin sieht Beeren, Blüte aber auch die Blätter bei rheumatischen Beschwerden vor. Holunder soll auch Diabetes mellitus positiv beeinflussen. Medizinisch sind die Wirkungen nicht nachgewiesen.

Neueste Forschungen haben den Wirkstoff N-Phenylpropanol-Laminosäureamid im Holunder entdeckt. Er kann einer erfolgreichen Anheftung des Erregers von Magenschleimhautentzündungen Heliobacter pylori entgegenwirken.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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