Frontalglatze als Indiz für höheres Prostatakrebs-Risiko?

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Besteht ein Zusammenhang?

Schon in der Vergangenheit wurde der Verdacht laut, dass Haarverlust und Prostatakrebs einige Risikofaktoren gemeinsam haben. Dabei wurde auch auf die familiäre Vorgeschichte und die DHT Sexualhormon-Werte eingegangen.

Im National Cancer Institute der USA erforschen nun Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen dem Risiko an Prostatakrebs zu erkranken und einer bestimmten Form des Haarausfalls: Der Stirnglatze in Kombination mit mäßiger Hinterkopfglatze. Sie hatten festgestellt, dass die untersuchten Männer im Alter bis 45 Jahren genau diese Kombination von Stirnglatze und erhöhtem Krebsrisiko auswiesen.

„In unserer Studie haben wir ein höheres Risiko für aggressiven Prostatakrebs bei Männern nachgewiesen, die mit 45 von einer ganz speziellen Form von Haarverlust betroffen waren – einer Stirnglatze bei mäßiger Ausdünnung auf der Krone. Bei Männern mit anderen Formen von Haarverlust dagegen haben wir kein erhöhtes Risiko für irgendeine Form von Prostatakrebs feststellen können.“
(Dr. Michael B. Cook, National Cancer Institute USA, Journal of Clinical Oncology)

Gefährliche Stirnglatze

Bereits 2013 wurde an der Universität Pennsylvania in einer Studie festgestellt, dass bei Männern mit Glatze 69 Prozent häufiger Prostatakrebs diagnostiziert wurde. An der Studie nahmen 500 afroamerikanische Männer zwischen 35 und 90 Jahren teil.

Die jetzige Studie ist die bislang größte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Glatzköpfigkeit und Prostatakrebs nachweisen konnte. 39.070 Männer zwischen 55 und 74 Jahren nahmen daran teil, wobei der Großteil über 70 Jahre alt war. Zunächst wurde mittels einer Bildsoftware der Haarverlust im Alter von 45 Jahren rekonstruiert. Dabei wurde festgestellt, dass rund die Hälfte der Männer bereits mit 45 Jahren Haarverlust in irgendeiner Form erlebt hatten.

Die Probanden, die zu Beginn der Studie keine Krebsvorgeschichte (nicht-melanotische Hautkrebsformen ausgenommen) hatten, nahmen an der Studienreihe „US PLCO Cancer Screening Trial“ teil. Innerhalb von drei Jahren nach Studienbeginn wurde bei 1.138 Teilnehmern Prostatakrebs festgestellt. 51% dieser Diagnosen wurde als aggressiv eingestuft. Das Durchschnittsalter bei der Prostatakrebs-Diagnose war 72.

40% höheres Krebsrisiko

Verglichen mit den Daten, die aus Art und Intensität des Haarverlustes gewonnen wurden, wurde eine Wahrscheinlichkeit errechnet. Dabei rückte die Stirnglatze mit mäßigem Haarausfall an der Krone in den Focus. Männer mit dieser Form des Haarausfalls haben eine 40% höhere Wahrscheinlichkeit, von Prostatakrebs betroffen zu sein, als Männer, die im Alter von 45 keinen Haarverlust hatten.

Doppelt so oft aggressiver Krebs

Diese Form der Glatzköpfigkeit würde sogar doppelt so häufig aggressive Formen des Prostatakrebses begünstigen. Andere Formen des Haarausfalls konnten nicht mit Prostatakrebs in Verbindung gebracht werden.

 „Unsere Daten sprachen sehr stark für eine Verbindung zwischen dem Entstehen einer Glatze und aggressivem Prostatakrebs, aber es ist noch zu früh, diese Befunde auf die Patientenpflege zu übertragen. Wir sind sehr überzeugt, was unsere Schätzung eines um 40 Prozent erhöhten Risikos anbelangt. Das untere Ende des Vertrauensbereichs spricht nur für ein um sieben Prozent erhöhtes Risiko für diese Männer.“
(Dr. Michael B. Cook, National Cancer Institute USA, Journal of Clinical Oncology)

Bessere Daten erforderlich

Zwei weitere Studien werden zurzeit von Forschern des Fred Hutchinson Cancer Research Center und der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC durchgeführt. Weitere Studien sind in Vorbereitung. Man braucht mehr verlässliche Daten, um die Verbindung zu bestätigen und die Gründe erklären zu können. So sind z.B. dermatologische Daten zum tatsächlichen Haarausfall aussagekräftiger als die subjektiven Angaben der Teilnehmer.

 „Falls die Verbindung zwischen einer Frontalglatze in Kombination mit mäßiger Hinterkopfglatze und einem höheren Risiko für aggressiven Prostatakrebs in anderen Studien bestätigt werden kann, könnten mechanistische Studien notwendig werden, um die Zusammenhänge begreifen zu können.“
(Dr. Michael B. Cook, National Cancer Institute USA, Journal of Clinical Oncology)

Hinweis

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