Freie Radikale und Antioxidantien

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Erklärungstheorie fürs Älterwerden

Der Alterungsprozess wird vielfach mit der Freie-Radikale-Theorie (engl. Free Radical Theory of Aging, FRTA) erklärt. Als freie Radikale werden hochreaktive Moleküle bezeichnet, die unter anderem Zellmembranen und das Erbgut von Zellen schädigen können. Insbesondere die Dauerbelastung durch freie Radikale wird immer wieder als Ursache für das Altern von Zellen und viele Krankheiten angesehen, einschließlich Krebs. Freie Radikale entstehen bei oxidativem Stress, etwa bei Sonnenbrand, durch Umweltgifte oder Verletzungen. Als Radikalfänger werden Antioxidantien bezeichnet, die diese Moleküle binden und so unschädlich machen können.

Oxidativer Stress als Auslöser

Sogenannte freie Radikale gelten als in verschiedenen analytischen Verfahren nachweisbar. Sie entstehen bei Stoffwechselprozessen aus molekularem Sauerstoff. Der amerikanische Biogerontologe Denham Harman publizierte 1956 die Theory, dass diese freien Radikale, wie beispielsweise das Hydroxyl-Radikal OH, den Alterungsprozess verursachen (vgl. D. Harman: Aging: a theory based on free radical and radiation chemistry, in Journal of Gerontology 11, 1956, S. 298-300. Darin führt er aus, dass die freien Radikale bei ihrer Freisetzung das Erbgut von Zellen schädigen können sowie auch Lipide, Proteine und wichtige Ribonukleinsäuren (RNS). Offenbar können unter anderem im Urin Abbauprodukte nachgewiesen werden, die aus einer Schädigung von Zell-DNA oder Lipiden stammen.

Radikalfänger und Antioxidantien

Harman erklärt in seiner Theorie, dass in den Zellen sogenannte Radikalfänger produziert werden, um die freien Radikale unschädlich zu machen. Das geschieht, indem sie mit ihnen reagieren und so verhindern, dass die Reaktion der hochreaktiven freien Radikale an anderer Stelle Schaden anrichtet. Ein Beispiel für Radikalfänger sind Urate oder das Enzym Katalase. Antioxidantien wie Ascorbinsäure (Vitamin C), Betacarotin, Polyphenole, Flavonoide oder andere Substanzen mit antioxidativer Eigenschaft können mit den freien Radikalen reagieren, sie auf diese Weisen dauerhaft binden und so unschädlich machen.

Krankheiten als Folgeerscheinung?

Die Theorie der freien Radikale wurde in der Folgezeit auch als mögliche Ursache verschiedener Krankheiten herangezogen wie beispielsweise Alzheimer, Arteriosklerose, Diabetes mellitus und auch Krebs.

Wodurch entsteht oxidativer Stress?

Offenbar bedeutet eine geringere Nahrungsaufnahme einen geringeren oxidativen Stress für die Zellen, dem Auslöser für die Bildung freier Radikale. Eine Reduzierung von Kalorien hat bei Modellorganismen wie Bakterien, Pilzen, Pflanzen oder Tieren für eine längere Lebenserwartung gesorgt. Im Allgemeinen gelten als Auslöser von oxidativem Stress beispielsweise UV-Strahlen, Rauchen, Alkoholgenuss, Umweltgifte oder Dauerstress.

Gut zu wissen

Bei bestimmten Spezies haben Untersuchungen Hinweise ergeben, dass eine früh einsetzende Zufuhr von Antioxidantien die Lebensdauer von Zellen verlängern konnte. Andererseits wurden aus Experimenten zur der Freie-Radikale-Theory auch anderslautende Schlüsse gezogen, nämlich dass freie Radikale notwendig sind, um den Prozess der Abwehr gegen freie Radikale in der Zelle anzustoßen (Mitohormesis). Dabei wurde vermutet, dass Antioxidantien diesen Prozess eher verhindern. (vgl. G. Bjelakovic u.a.: Mortality in Randomized Trials of Antioxidant Supplements for Primary and Secondary Prevention, in: JAMA 297, 2007, S. 842-857.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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