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Fingerhut (Digitalis)

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fingerhut
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Gift und Herzmedizin

Unter den Fingerhüten ist der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) in Mitteleuropa am stärksten verbreitet. Die dekorative Pflanze mit den großen Blüten ist hochgiftig. Sie gehört zu der Gattung der Fingerhüte (Digitalis) und der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). 2007 wurde der Rote Fingerhut zur Giftpflanze des Jahres gewählt. Auch andere Arten wachsen in unseren Regionen (z.B. der Gelbe Fingerhut, der Großblütige Fingerhut oder der Wollige Fingerhut), sie alle sind ebenso giftig für Mensch und Tier.

Der lateinische Name weist auf die besondere Blütenform hin (lt. Digitus, Finger). Auch andere Trivialnamen nehmen Bezug auf diese charakteristische Form, z.B. Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Fingerkraut oder Eisenhut. Die bis zu zwei Meter aufrecht wachsende, krautige Pflanze trägt aber auch harmlos klingende Namen im Volksmund wie Waldglöckchen, Waldschelle oder Fuchskraut.

Schönheitselexier und Heilmittel

Als Heilpflanze wurde Digitalis seit dem 5. Jahrhundert eingesetzt. Als Brech- und Abführmittel führte der Einsatz durch Vergiftung oft zum Tod. Doch möglicherweise verwendeten schon die Römerinnen des Altertums Augentropfen aus Fingerhut, um ihre Augen durch erweiterte Pupillen ausdrucksvoller wirken zu lassen.

Der Durchbruch als Herzmittel

1786 wurde die herzwirksame Wirkung des Fingerhut mit richtungsweisender Dosierungsanleitung erstmals wissenschaftlich belegt durch den Schotten William Withering. Er war auf der Suche nach einem Heilmittel gegen Ödeme (Wassereinlagerungen in den Beinen), die von einer Herzinsuffizienz herrührten, auch Wassersucht genannt. Auf den Spuren einer Kräuterfrau stieß er auf die auffällige Pflanze und experimentierte mit durchschlagendem Erfolg.

Wirkungsvolles Herzmedikament

Der wichtigste Wirkstoff in Fingerhut ist Digitalis. Es kann den Herzmuskel stärken und den Herzschlag beeinflussen.

Die Dosierung ist sehr schwierig, denn todbringende Dosis und heilende Wirkung liegen eng beieinander. Erst nachdem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die wirksamen Digitalisglycoside isoliert werden konnten, wurde der Wirkstoff zu einem der wichtigsten Herzmedikamente. Die Herzglykoside sind in der Lage, die Herzfrequenz zu senken. Auch kann der geschwächte Herzmuskel zu einem verstärkten Zusammenziehen angeregt werden.

Heute wird der Wollige Fingerhut und der Rote Fingerhut zur Gewinnung des enthaltenen Digitalis für die medikamentöse Behandlung von Herzkrankheiten angebaut.

Vorsicht, Gift!

Alle Teil der Pflanze sind giftig. Bereits der Verzehr von zwei Blättern kann zum Tod führen. Vergiftungserscheinungen sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindel und eine absinkende Pulsfrequenz auf unter 50 Schläge pro Minute. Herzwirksame und daher äußerst gefährliche Digitaloide enthalten auch andere Pflanzen wie Maiglöckchen, Oleander und die Christrose.

Der Fingerhut wächst gerne an Waldrändern oder auf Waldlichtungen. Als Zierpflanze wird er häufig in Gärten kultiviert.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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Vitamin D3 (Cholecalciferol)

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Bezugsquelle: Vitamin D3

Das Vitamin, das aus der Sonne kommt

Cholecalciferol (auch Colecalciferol oder Calciol, Vitamin D oder Vitamin D3) ist eine Vorstufe des aktiven Vitamin D. Es besitzt die Funktion eines Prohormons, das erst durch Sonnenlicht oder künstliche UV-Strahlen tatsächlich Vitaminfunktion entwickeln kann. Vitamin D3 ist die Form, die nach der Aufnahme der UVB-Strahlen über die Haut von der Leber hergestellt wird. Die Niere ist bei der Umwandlung in die benötigte aktive Form beteiligt.

Innerhalb des endokrinen Vitamin D-Systems des menschlichen Organismus wird so Cholecalciferol – oder Vitamin D3 – im Körper mithilfe von Sonnenlichteinwirkung gebildet (UVB-Strahlen).

Es ist von zentraler Bedeutung für den Calciumstoffwechsel, den Knochenaufbau und die Reifung von Immunzellen.

Vitamin D aus der Nahrung

Cholecalciferol kann auch über die Nahrung aufgenommen werden und ist in Fettfischen reichlich vorhanden. Weitere Lieferanten sind Avocado, Steinpilze und Pfifferlinge, Milch und Eier. Über die Nahrung aufgenommenes Vitamin D wird im Dünndarm resorbiert. Von dort gelangt es zusammen mit den Fetten über die Lymphe in die Blutbahn. Es besitzt eine Halbwertzeit von bis zu 25 Stunden. In dieser Zeitspanne wird es entweder im Fettgewebe gelagert oder in der Leber zu einer Speicherform von Vitamin D3 umgewandelt. Die Halbwertzeit dieser Speicherform beträgt wiederum ein bis zwei Monate.

Evolutionsgeschichtliches

Evolutionsgeschichtlich kann man sich das System so vorstellen, dass vor etwa einer Million Jahre die ersten Menschen von Afrika in Richtung Norden wanderten. Ihre zum Schutz vor Sonne ursprünglich dunkle Haut mit vielen Pigmenten wurde in den nördlicheren Regionen immer heller, denn es galt, die kürzeren Sonnenzeiten für die Vitamin D-Produktion auszunutzen. Eine Ausnahme bilden die Eskimos, die sich selber Inuit nennen. Sie bewohnen erst seit evolutionsgeschichtlich kurzer Zeit die Arktis und decken ihren Cholecalciferol-Bedarf über fetthaltige Fische.

Als Mangel an Vitamin D war die Krankheit Rachitis in den Industriestädten des 18. und 19. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika stark verbreitet. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Verbindung von Sonnenlicht, Vitamin D3 und der Zivilisationskrankheit, die vor allem Kinder betrifft, entdeckt.

Namensgeschichte von Vitamin D

Die Suche nach einem Heilmittel gegen Rachitis war denn auch der Anfang der Entdeckung von Vitamin D. Es war Anfang des 10. Jahrhunderts bekannt, dass Rachitis durch Sonnenlicht geheilt werden kann. Den entscheidenden Faktor vermutete der Wissenschaftler Sir Edward Mellanby 1919 im kurz zuvor entdeckten Vitamin A, das beispielsweise Bestandteil von Lebertran ist. Vitamin A wird durch Oxidation zerstört, weiterhin konnte aber oxidierter Lebertran bei Rachitis helfen. Es musste also ein weiterer Stoff enthalten sein, der unabhängig von Vitamin A wirksam war. Der Kinderarzt John Howland und der Chemiker McCollum nannten diesen Stoff Vitamin D, denn es war das vierte entdeckte Vitamin.

Ist Vitamin D ein Vitamin oder nicht?

Laut Definition werden Vitamine zum Leben benötigt, können aber nicht vom menschlichen Körper hergestellt werden. Vitamin D, in seiner aktiven Form Vitamin D3, dagegen wird im Körper gebildet. Daher ist es streng genommen kein echtes Vitamin, sondern ein Prohormon. Man spricht von der Vitamin D-Gruppe, unter der sich neben Cholecalciferol (Calciol, bzw. Vitamin D3) noch weitere Substanzen subsummieren wie Calciferol aus Pflanzen (Vitamin D2), Lumisterol (Vitamin D1), 22,23-Dihydroergocalciferol (Vitamin D4) und Sitocalciferol (Vitamin D5).

Was kann Vitamin D?

Vitamin D schützt zum einen vor den Mangelkrankheiten Rachitis bei Kindern und Osteomalazie bei Erwachsenen, einer schmerzhaften Knochenerweichung. Erst Ende des 20. Jahrhunderts hat die Forschung weitere Vorteile von Vitamin D erkannt. So ist Cholecalciferol an der Zelldifferenzierung beteiligt und an der Kontrolle hormonaler Systeme. Außerdem ist es wichtig für die Entwicklung und reibungslose Funktion von Nerven- und Muskelgewebe. Ein Vitamin D-Mangel kann einer der Auslöser sein für Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose, Morbus Crohn, systemischer Lupus erythematodes oder Diabetes mellitus Typ 1. Mangel an dem Vitamin kann unter Umständen auch verantwortlich sein für Tuberkulose, Bluthochdruck oder Hautkrankheiten wie Psoriasis. Eine protektive, vorbeugende Wirkung wurde von Vitamin D mit Calcium gegenüber Dickdarmkrebs erkannt. Viele dieser Krankheiten sind offenbar multifaktoriell, mit Vitamin D als einem entscheidenden Faktor.

Hinweis

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Dunaliella Alge (Dunaliella salina)

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Überlebenskünstler als Vitaminlieferant

Die einzellige Grünalge Dunaliella (Dunaliella salina) gilt als eines der frühesten Beispiele für Algenbiotechnologie aus den frühen Achziger Jahren. Der extrem hohe Gehalt an Betacarotin machte diese Pflanze früh für die Gesundheitsforschung interessant, ebenso wie der Fakt, dass sie in einer äußerst salinen Umgebung lebensfähig ist. Die Alge gedeiht sogar in einer 35-prozentigen Kochsalzlösung. Der Einzeller aus Australiens Salzseen, der heute speziell gezüchtet wird, zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, sich widrigen Umweltbedingungen schnell anzupassen. Der schützende Ozonschild der Südhalbkugel ist sehr viel dünner, die Strahlenbelastung in Australien gilt daher als sehr hoch. Die Grünalge hat auf diese Bedingungen reagiert indem sie sich orangerot verfärbt und noch mehr Carotinoide als Schutz gegen oxidativen Stress produziert.

Schutz durch Vitamine

Für den Hautschutz sind zwei Vitamine besonders wichtig, Vitamin E und Carotinoide. Das bekannteste der Carotinoide ist zugleich der Namensgeber der Gruppe, das Betacarotin. Diese Vitamine schützen vor Hautkrebs und Sonnenbrand und verlangsamen die Hautalterung. Ein besonders wertvolles Carotin liefert die Meeresalge Dunaliella salina. Ihr Gehalt an bioaktivem Betacarotin ist enorm hoch und macht sie zu einem wertvollen Lieferanten des Provitamins.

Betacarotin ist als Vorstufe von Vitamin A ein wichtiger Vitalstoff. Nicht benötigtes Betacarotin kann vom Körper gespeichert werden. Als starkes Antioxidans übernimmt Betacarotin zellschützende Aufgaben im Auge, in Körperzellen und wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus.

Bis zu 30 verschiedene natürliche Carotinoide

Selbst unter extremen Umweltbedingungen wie Hitze, Nährstoffmangel, hohe UV-Strahlung produziert die Dunaliella salina bedeutende Mengen an Carotinoiden, und davon bis zu 30 Stück. Die wichtigsten davon sind Betacarotin (alltrans), Betacarotin (9-cis), Betacarotin (13-cis), Bétacarotin (15-cis), Alphacarotin, Cryptoxanthin, Zeaxanthin, Lutein und Lycopin. „cis“ und „trans“ sind Hinweise auf die Molekülstruktur. Zum Beispiel vermag ein 9-cis-Betacarotin weitaus besser vor freien Radikalen schützen als ein All-trans-Betacarotin. Bei der Bekämpfung von bestimmten Krebszellen hat sich Alphacarotin hervorgetan. Dahingegen haben synthetisch hergestellte Betacarotine keine oder wenig Schutzfunktion. Dunaliella saline liefert natürliche Carotine, die in ihrer antioxidativen Wirkung den Singulett-Sauerstoff binden können, ein aggressives Sauerstoffradikal, das bei Strahleneinwirkung entsteht. Als Radikalfänger können die Carotinoide freie Radikale und stark reaktive Verbindungen unschädlich machen und damit Zellmembran und Zellkern schützen. Die natürlichen Carotinoide der Dunaliella salina liefern eine natürliche Gesundheitsvorsorge unter erhöhten Umweltbelastungen für den Menschen. In asiatischen Ländern gilt Dunaliella salina als gesundheitsfördernde Zugabe in vielen Gerichten. In Europa hat sich die Grünalge nicht als Essensbeilage durchsetzen können, ist aber in Nahrungsergänzungsmitteln ein wichtiger Lieferant von bioaktiven Carotinoiden.

Hinweis

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Dong Quai
(Angelica sinensis, Chinesische Engelwurz)

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Vom einem Engel zur Erde gesandt

Dong Quai (Angelica sinensis, Chinesische Engelwurz) ist eine chinesische Heilpflanze aus der Gattung der Engelwurzen (Angelica). Die krautige Pflanze erreicht eine Höhe zwischen 40 Zentimetern und einem Meter. Für die Heilwirkung werden die Wurzeln verwendet. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Heilpflanze bei sogenannten Frauenleiden harmonisierend eingesetzt.

Seit Jahrtausenden in der TCM

Bereits das älteste bekannte Buch der Heilpflanzen aus China, der Shennong ben cao jing, reserviert der Dong Quai einen prominenten Platz. Man findet die Engelwurz auch als “weiblichen Ginseng“ oder „Ginseng der Frauen“ in der Literatur, weil er seine Wirkung rund um den weiblichen Zyklus entfaltet. Es heißt, dass er Menstruationsbeschwerden und Unterleibskrämpfe lindert, bei zu schwacher oder unregelmäßiger Mensis helfen soll und für Wohlbefinden in den Wechseljahren sorgt. Zur allgemeinen Stärkung, besonders nach einer Geburt, ebenso wie bei Anämie und zur Blutreinigung fand die Chinesische Engelwurz traditionell Anwendung.

Verwendung in westlicher Welt

Erst als wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass Dong Quai Phyto-Östrogene enthält, wurde die Heilpflanze auch in der westlichen Welt zur Kenntnis genommen. Seine Wirkung zur allgemeinen Muskelentspannung schlägt sich auch auf die Gebärmutter und damit auf Menstruationsbeschwerden nieder. Die Heilpflanze wird in der Naturheilkunde auch bei Bluthochdruck, Migräne, Magenschmerzen, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen und zur Regulierung von Hormonschwankungen eingesetzt.

Anwendungen aus Dong Quai werden im Allgemeinen gut vertragen, sollte jedoch nur in geringen Mengen verwendet werden, da bei hoher Dosierung Depressionen ausgelöst werden können.

Inhaltsstoffe

Für die krampflösende Wirkung sind wahrscheinlich enthaltene Furanocumarine verantwortlich. Es handelt sich dabei um wirksame sekundäre Pflanzenstoffe, die die Kalziumkanäle an der glatten Muskulatur blockieren und so entspannen. Bitterstoffe aus der Engelwurz regen die Ausschüttung von Magensäure an sowie von Gallensäure und Enzymen der Bauchspeicheldrüse. Der Appetit wird angeregt und der Verdauungsapparat aktiviert.

Hinweis

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Darmflora

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Königsweg zur gesunden Immunabwehr

Die Darmflora bezeichnet die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm, insbesondere im Dickdarm. Eine gesunde Darmflora ist sehr wertvoll für eine gute Verwertung der Nahrung und die Immunabwehr. Stark vertreten in der Darmflora sind vor allem Bakterien der Gruppe Enterobactericae, Enterokokkus, Bacillus und Bacteroides. Da das Wort „Flora“ sich eigentlich auf Pflanzen bezieht, wäre der Ausdruck Darmmikrobiota eigentlich richtiger. Man findet ihn auch gelegentlich, aber der alte Ausdruck Darmflora bleibt weiterhin geläufig. Die Bakterien der Darmflora sind überaus nützlich und wichtig für die menschliche Gesundheit und sind nicht gleichzusetzen mit Krankheitserregern.

Entwicklung beginnt mit der Geburt

Der menschliche Darm wird von einer Vielzahl Kleinstlebewesen besiedelt, die Rede ist gelegentlich von bis zu 400 Bakterienstämmen, 1.800 Bakteriengattungen und 36.000 Arten, hauptsächlich anaerobe Bakterien. Innerhalb dieses bakteriellen Ökosystems können sich zwischen 10 und 100 Billionen Bakterien bewegen. Das kann dem durchschnittlichen Volumen von 1,5 Kilogramm im Darm eines gesunden Erwachsenen entsprechen. Diese Besiedlung ist nicht von Anfang an vorhanden. Vielmehr beginnt sie bei Säuglingen mit der Aufnahme der Muttermilch und sorgt so für einen ersten Schutz. In Muttermilchpulver bei nicht gestillten Babys werden Kulturen beigesetzt, die für die Entwicklung der Darmflora sorgen. (siehe Bifidobakterien)

Unabdingbar für die Gesundheit

Die Bakterien der Darmflora sind überaus nützlich und wichtig für die menschliche Gesundheit und sind nicht gleichzusetzen mit Krankheitserregern. Wichtige Verdauungsvorgänge finden erst im Darm statt. Ohne die Darmflora könnten zahlreiche Nahrungsbestandteile nicht oder nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden (siehe Vitamin D3, Cholecalciferiol). Gerade zum Abnehmen ist die optimale Verwertung des Nahrungsbreis wichtig. Die Bakterien bilden unter anderem Vitamin K, das für die Blutgerinnung wichtig ist.

Wichtig für das Immunsystem

Zum allergrößten Teil befindet sich unser Immunsystem im Magen-Darm-Trakt oder hängt unmittelbar mit ihm zusammen. Ein funktionierendes Immunsystem setzt voraus, dass die enorm große Oberfläche der Schleimhäute den Umwelteinflüssen, Krankheitserregern, Giften und krebserregende Substanzen standhält. Der Darm versorgt aus der Ernährung den Körper mit Kraft und Energie. Bakterien der Darmflora sind unmittelbar am Funktionieren der Darmschleimhaut beteiligt. Im Darm werden die Nähr- und Vitalstoffe herausgefiltert, die für einen gesunden Organismus benötigt werden und die gesundheitsschädlichen Substanzen werden ausgeschieden. Bakterien der Darmflora bauen unter anderem krebserregende Substanzen ab.

Darmflora ist beeinflussbar

Um am Inhalt und der Funktionsfähigkeit des Darms etwas zu ändern, ist grundsätzlich die Ernährung der Dreh- und Angelpunkt. Die Darmflora kann sich individuell je nach Ernährungsgewohnheiten verändern. Bakterien, die von der Nahrungsaufnahme profitieren, können andere Bakterien zurückdrängen. Insbesondere die Ballaststoffe  werden erst von den Mikroorganismen im Darmtrakt in den Verdauungsprozess einbezogen. Die Fettverdauung spielt sich im Wesentlichen hier ab. Viele Versorgungsabläufe des Energiestoffwechsels und Aufnahmemechanismen von lebensnotwendigen Substanzen sind auf eine funktionierende Darmflora angewiesen.

Schädigung durch Medikamente

Bei der Einnahme von Antibiotika, beispielsweise zur Bekämpfung einer bakteriellen Infektion, kann es vorkommen, dass die bakterienzerstörende Wirkung sich auch auf nützliche Bakterien der Darmflora ausweitet. Normalerweise erholen sich die Bakterien wieder im Laufe von wenigen Wochen, manchmal brauchen die Kulturen jedoch auch länger. Die Einnahme von Antibiotika sollte daher stets ärztlich verordnet erfolgen und die Notwendigkeit gegeben sein.

Gewichtsreduzierung und Darmentleerung

Eine Darmreinigung kann einen sanften Beginn für eine Ernährungsumstellung begleitend gestalten oder einen Kur-Effekt bewirken. Auch zum Abnehmen wird eine Darmentleerung als hilfreich angesehen, vor allem, wenn dabei ein Bewusstsein für die Ernährung einhergeht. Die Darmflora beseitigen soll eine solche Darmentleerung nicht. Letztlich hat die Aufnahme von Nährstoffen im Magen-Darm-Trakt direkt mit Stoffwechselabläufen zu tun, die unter anderem auch Fettverbrennung und Blutzucker beeinflussen. Für eine Gewichtsreduzierung kann es günstig sein, nicht nur mit der Menge der Nahrungsaufnahme sondern auch die Zusammensetzung zu prüfen.

Wenn der Darm nicht funktioniert

Neben Verstopfung, Blähungen und anderen kleineren Unannehmlichkeiten können mit dem Darm auch schwerwiegendere Krankheiten zusammenhängen. Beim Reizdarmsyndrom weist die Darmflora gegenüber einem gesunden Darm Veränderungen auf, unter Anderem eine Überbesiedlung des Dünndarms mit Bakterien. Auch bei Morbus Crohn ist das Gleichgewicht im bakteriellen Ökosystem Darm gestört. Ob es sich um die Ursache oder die Folge der Krankheit handelt ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Ein Zusammenhang von Darmfunktion und einigen Allergien und Darmkrebs wird vermutet.

Hinweis

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Darmreinigung (Clean-me-out)

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Darm pflegen – Seele pflegen

Mit einer Darmreinigung führt man eine Entleerung des Darms herbei. Neben medizinischen Indikationen wird die Darmreinigung bereits seit langer Zeit als gesundheitsförderlich durch eine gründliche Reinigung von sogenannten Schlacken angesehen. Auch wenn der Nutzen einer Darmreinigung wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist, besteht dafür eine lange jahrtausendealte Tradition in der Heilkunde mit Fastenkuren, Einläufen oder Abführmittel. Nicht zuletzt lehrt die traditionelle chinesische Medizin schließlich, dass die Leber der Sitz der Seele ist. Und eine funktionierende Verdauung wurde auch im Westen stets als emotional entspannend empfunden. Das Clean-me-out-Modell ist unter den vielen Modellen und Kuren zur Darmreinigung eine Methode, die relativ neu auf dem Markt ist. Sie setzt auf einen bestimmten Kräuter-Mix, Bindungssubstanzen und Ballaststoffe sowie die Säure-Basen-Haushalt-Theorie. Diese Form der Darmreinigung wird üblicherweise während einer Dauer bis zu 28 Tagen angewendet wird.

Die grundlegende Idee

Zum allergrößten Teil befindet sich unser Immunsystem im Magen-Darm-Trakt oder hängt unmittelbar mit ihm zusammen. Ein funktionierendes Immunsystem setzt voraus, dass die enorm große Oberfläche der Schleimhäute den Umwelteinflüssen, Krankheitserregern, Giften und krebserregende Substanzen standhält. Der Darm versorgt aus der Ernährung den Körper mit Kraft und Energie. Er filtert die Nähr- und Vitalstoffe heraus, die wir für einen gesunden Organismus benötigen und scheidet die gesundheitsschädlichen Substanzen aus.

Um am Inhalt und der Funktionsfähigkeit des Darms etwas zu ändern, ist grundsätzlich eine bewusste Ernährung notwendig. Viele Menschen sehen den Sinn einer Darmreinigung darin, einen Anfang für Ernährungsumstellung effektiv zu gestalten oder setzen auf einen Kur-Effekt. Auch zum Abnehmen wird eine Darmentleerung als hilfreich angesehen, vor allem, wenn dabei ein Bewusstsein für die Ernährung einhergeht.

Die Clean-me-out-Methode geht davon aus, dass zur Immunabwehr auf schädliche oder reizende Stoffe eine zusätzliche Schleimschicht im Darm erstellt wird, die verkrusten kann, so dass wertvolle Mineralien und andere Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden können. Eine Darmentleerung soll diese sogenannten Schlacken entfernen und den Darm sanieren. Es wird bei dieser Methode auf meterlange Schlackenausscheidungen verwiesen, die der Gründer der Kur unter Einwirkung seiner Kräuterexperimente im Selbstversuch beobachtet haben will.

Methode nach Dr. Anderson

Durch Experimentieren stellte der Gründer der Clean-me-out eine Kräuterformel zusammen, die das Aufbrechen und Lösen von Schlacken bewerkstelligen, die seiner Meinung nach durch eine moderne und falsche Ernährung an den Darmschleimhäuten entstehen. Gleichzeitig sollen Kräuter eingenommen werden, die die Abführung begünstigen. Die Peristaltik, die selbsttätige Darmbewegung, soll durch Ballaststoffe in Schwung gebracht werden und der Inhalt zügig ausgeschieden werden. In der Mischung sollen Mineralstoffe, Verdauungsenzyme und Aminosäuren in einem abgestimmten Verhältnis für eine optimale Versorgung des Körpers vorhanden sein. Mit dem Bindungsmittel Bentonit, einer Heilerde, sollen Schwermetalle und Gifte in gebundener Form abtransportiert werden. Und damit sich der Nahrungsbrei zügig bewegt, wird mit Ballaststoffen und Flüssigkeitszufuhr unterstützt. Einläufe können begleitend eingesetzt werden. Eine Entgiftung, gute Abwehrfunktionen gegen Pilze und Infekte, sowie eine rundum reibungslos funktionierende Darmflora werden vom Anbieter in Aussicht gestellt, insbesondere zusammen mit einer basenlastigen Diät.

Peristaltik

Die selbsttätige Muskelkontraktion des Darms wird durch einen gewissen Druck des Nahrungsbreis gegen die Darmwände gefördert. Das sorgt für einen zügigen Transport des Nahrungsbreis und eine schnelle Ausscheidung der Nahrungsreste, nachdem ihnen die Nährstoffe entzogen wurden. Entscheidend ist dabei, dass der Nahrungsbrei ein geeignetes Volumen aufweist, was durch Ballaststoffe befördert werden kann und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

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Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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