Brennnessel (Urtica)

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brennnessel
© Magdalena Kucova – fotolia.com

Universales Heilkraut mit Unkraut-Image

Die Brennnessel (Urtica) aus der Gattung der Brennnesselgewächse (Urticaceae) ist praktisch überall auf der Welt zuhause. Lediglich an der Antarktis wird sie nicht gefunden. Über 30 Arten sind bekannt. Je nach Standort werden die einjährigen Pflanzen 10 Zentimeter bis drei Meter groß. In Deutschland wachsen vor allem die Große Brennnessel und die Kleine Brennnessel, seltener die Röhricht-Brennnessel und die Pillen-Brennnessel.

Die wichtige Futterpflanze für Bienen und Schmetterlinge dient auch dem Menschen seit Jahrhunderten als Heilmittel. Durch die sengende Nesselkraft bei Hautkontakt gilt die Brennnessel heutzutage als Unkraut. Im Kräutergarten findet man sie daher viel zu selten. Dabei hält die Brennnessel eine erstaunliche Vielfalt an Einsatzgebieten für die Menschen bereit, die in vergangenen Jahrhunderten in gängiger Praxis genutzt wurde: als Viehfutter, Nährstoffquelle in der Küche, Heilkraut, Düngemittel und als Faserspender für Nesselstoff.

Brennhaare statt Dornen

Auch wenn die Brennnessel in der Ordnung der rosenartigen Gewächse steht, besitzt sie weder Dornen noch Stacheln. Dafür hat sie als Schutz gegen Fraßfeinde Brennhaare entwickelt, die Blätter und Stängel wie einen Pelz umgeben. Das Brennhaar erhält seine Festigkeit und Härte durch Kieselsäure. Das Haar ist wie eine sehr feine, nach oben gerichtete Kanüle aufgebaut, durch die beim Abbrechen an der Sollbruchstelle eine ameisensäurehaltige Brennflüssigkeit in die Wunde spritzt, die außerdem Serotonin, Histamin, Acetylcholin und Natriumformiat enthält. Der brennende Schmerz hat der Pflanze ihren Namen gegeben (von lat. urere, brennen). Manchmal entstehen Quaddeln auf der Haut an den Kontaktstellen mit der Brennflüssigkeit.

Inhaltsstoffe der Brennnessel

Brennnesselkraut- und blätter enthalten mehr Eisen als ein Rindersteak. Neben ungesättigten Fettsäuren, Caffeoylchinasauren wie die Caffeoyläpfelsäure, Kaliumsalzen (nur in den Blättern) und Calciumsalzen enthält die Brennnessel Flavonoide. In den Brennhaaren finden sich biogene Amine wie Serotonin, Histamin und Acetylcholin. Die Wurzel enthält Cumarin, Lignane und Polysaccharide sowie Sterole und 3-β-Sitosterin.

2x mehr Vitamin C wie Orange

Die jungen Brennnesseltriebe werden im Frühjahr wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden geschätzt, Mineralien wie Eisen, Magnesium, Kalzium, Silizium sowie Vitamin C und Vitamin A und wegen ihres Eiweißgehalts. Der feinsäuerliche Geschmack macht sie küchenfein, besonders in Notzeiten wurde sie wie Spinat eingesetzt. Der Nesselwirkung kann leicht entgangen werden, wenn man die Blätter von unten nach oben ausstreicht oder sie ein Tuch einwickelt und durchwalkt. Da Brennnesselblätter die Vermehrung bestimmter Bakterien verhindert, wurden sie früher auch verwendet, um Butter, Milch, Fleisch und Fisch länger haltbar zu machen. Nach wie vor wird gehackte Brennnessel als Vitaminfutter an Ferkel und Schweine, Kälber, Kühe und Küken gegeben.

Heilwirkung

In der Naturheilkunde wurden getrocknete Brennnesselsamen für gesunde, glänzende Haare und gegen Haarausfall verwendet. Angeblich sollen die Samen durch hormonartige Inhaltsstoffe auch als Stärkungsmittel eingenommen worden sein sowie gegen Impotenz, zur Steigerung der Libido und der Milchproduktion bei stillenden Müttern. Mönchen soll aus diesem Grund im Mittelalter der Verzehr von Brennnesselsamen verboten gewesen sein.

Ein positiver Einfluss auf den Bluthochdruck durch gefässerweiternde Eigenschaften wird der Brennnessel ebenfalls nachgesagt. Als Vitamin C-Lieferant kann die Brennnessel das Immunsystem stärken. Laut einer Studie der Philipps-Universität Marburg soll ein Präparat aus Brennnesselwurzelextrakt bei Prostatakrebs das Wachstum der Krebszellen hemmen können. Bei Harnwegsinfekten entfaltet der Kaliumgehalt der Brennnessel einen verdünnenden und harnreibenden Effekt. Die entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften der Brennnessel können laut klinischen Untersuchungen eine Therapie von Arthrose oder rheumatischer Arthritis unterstützen. Bei Anämie (Blutarmut) wird gerne von Naturheilkundlern auf die Brennnessel mit ihrem hohen Eisengehalt zurückgegriffen. Je nach Boden liefert die Brennnessel bis zu drei Mal so viel Eisen wie Spinat und mindestens doppelt so viel Eisen wie ein Rindersteak. Ein positiver Einfluss auf Leber, Galle und Darmerkrankungen sowie Hepatitis (Gelbsucht) wird der Brennnessel aus der Volksmedizin nachgesagt. Sie galt als allgemeines Heilmittel bei Frühjahrsmüdigkeit und zur Entschlackung.

Nesseltuch

Die Fasern der Brennnessel wurden wie Hanf für die Textilherstellung genutzt. Noch um 1900 galt das Nesseltuch als das „Leinen der armen Leute“.

Färberpflanze

Als Färberpflanze wurde insbesondere die Wurzel der Brennnessel eingesetzt. Nach dem Vorbeizen der Wolle mit Alaun erreicht Brennnesselwurzel einen Gelbton. Die grünen Pflanzenteile konnten graugrün färben, allerdings war eine Vorbeize mit Zinn, ein Entwicklungsbad mit Ammoniak und eine Nachbeize mit Kupfer erforderlich. Aus diesem Grunde wurde die Brennnessel durch einfachere Färbetechnikern ersetzt.

Dünger und Pflanzenschutzmittel

Hobbygärtnern ist sicher die „Brennnesseljauche“ ein Begriff. Der kalt angesetzte Auszug klein geschnittener Brennnessel mit Wasser stärkt durch Kieselsäure die Zellwände der gegossenen Pflanzen gegen Schädlingsbefall. Zusätzlich werden Stickstoff und Spurenelemente in dem Sud freigesetzt, der eine gute Düngewirkung besitzt.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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