Boswellia serrata (Weihrauch)

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

weihrauch
© hjschneider – fotolia.com

Die vergessene Medizin

Der indische Weihrauchbaum (Boswellia serrata, Salaibaum, Saphelbaum) ist für sein Harz berühmt, aus dem der Weihrauch gewonnen wird. Weihrauchharz (Olibanum) enthält medizinisch wirksame Boswelliasäuren mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Im Folgenden wird Olibanum mit „Weihrauch“ bezeichnet.

Kostbare Baumharze

Der Weihrauchstrauch wächst überwiegend in den trockenen Bergregionen Nordostindiens, kommt jedoch auch in Afrika und Südarabien (Boswellia sacra) vor. Extrakte des Weihrauchharzes heißen Olibanum oder Indian Olibanum. Es ist bis heute ein wichtiger Bestandteil der uralten ayurvedischen Medizin Indiens und wird seit der Antike in der gesamten Welt gehandelt.

Frühestens Ende März beginnt die mehrmonatige Produktion, indem die Rinde der wildwachsenden Bäume eingeritzt wird. Der austretende Pflanzensaft erstarrt zu gelblichen, rötlichen oder bräunlichen Körnern, die fast geruchslos sind. Erst beim Verbrennen entsteht der typische und stark aromatische Geruch. Olibanum ist kostbar, weil der Balsambaum Boswellia serrata nur wild gedeiht und in hochgelegenen und kargen Regionen vorkommt. Je nach Alter und Größe beträgt die Harzausbeute pro Baum etwa drei bis zehn Kilo. Der Baumbestand gilt als bedroht.

Inhaltsstoffe von Weihrauchharz

Weihrauch besteht aus ätherischen Ölen, Proteinen und einem Anteil von 50 bis 70 Prozent Harzen. Die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe sind vor allem die Boswelliasäuren mit einem Anteil von etwa fünf bis acht Prozent.

Die Zusammensetzung des gebräuchlichsten Olibanums, des Indischen Weihrauchs, enthält laut dem Europäischen Arzneibuch 5 bis 9 Prozent ätherisches Öl (unter anderem α-Thujen, β-Myrcen, ρ-Cymol und Methyleugenol), 15 bis 16 Prozent Harzsäuren (unter anderem Boswelliasäuren, Lupansäuren, Tirucallensäuren, mind. 1 Prozent 2-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure (AKBA) und ein Prozent 11-keto-β-Boswelliasäure (KBA).

Therapeutische Anwendung in der Geschichte

Traditionell wird Olibanum seit Jahrtausenden bei Ayurveda in Indien verwendet, um chronische Arthritis und Bronchitis zu bekämpfen. Es wurde bei Gelenk- und Muskelschmerzen eingesetzt und bei rheumatischen Erkrankungen. In der Antike war Weihrauch ein hochbezahltes Handelsgut und eng mit Kultur und Religion verbunden. Im Fernhandel gelangte es bis in die entlegensten Gegenden der alten Welt. Ein wichtiger Handelsweg bestand in der sogenannten Weihrauchstraße von Oman über den Jemen und Hedschas nach Gaza und in die Metropole Damaskus. Die Ägypter nutzen bereits vor 3.000 Jahren das wertvolle Harz zur Desinfektion und in der Mumifizierung. Im späten römischen Reich bestand ein großer Bedarf an der Räuchersubstanz. Ärzte wie Hippokrates erzielten Erfolge mit Weihrauch bei Wundreinigung, Atemwegserkrankungen und Verdauungsproblemen. Bis ins Mittelalter hinein war Weihrauch neben seiner lithurgischen Funktion ein bekanntes Heilmittel. Hildegard von Binden berichtet davon. In europäischen Büchern der Pharmakologie wird Weihrauch bis 1870 in äußerlicher Anwendung gegen rheumatische Beschwerden empfohlen.

Wirkungsweise

Wirkungen von Olibanum sind aufgrund des jahrtausendelangen Erfolges unbestritten, die genauen Wirkungsmechanismen im menschlichen Organismus sind jedoch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Durch die Entwicklung von chemischen Arzneistoffen und die therapeutischen Erfolge mit Antibiotika und Kortikoide geriet Weihrauch als natürliches Heilmittel ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit. Im Rahmen der Rückbesinnung auf Naturheilkunde wird heute Weihrauch wieder intensiv auf pharmakologischen Nutzen hin erforscht. In der modernen Medizin wird die Wirkung von Weihrauchpräparaten unter anderem als Alternative zu Cortison klinisch untersucht. Es wird ein therapeutischer Nutzen für Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Polyarthritis, Asthma bronchiale und rheumatische Arthritis vermutet. Pilotstudien gelten noch nicht ausreichend belegt. Als Hauptwirkstoff werden die Boswelliasäuren aus Weihrauch eingestuft. Das Potenzial der Wirkstoffe wird auch bei in vitro –Studien mit Tumorzellen getestet.

Das berühmteste Räucherwerk der Welt

Der Name Weihrauch deutet bereits auf seine Verwendung als Räucherwerk hin. Der Begriff leitet sich ab von althochdeutsch wîhrouch, heiliges Räucherwerk, und dem verb wîhen, heiligen, weihen. Der Rauch mit seinem starken aromatischen Geruch wurde schon immer als Götteropfer und zu kultischen Zwecken eingesetzt. In der katholischen Lithurgie spielt er bis heute eine bedeutende Rolle.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

© 2015 Gesundbuch Verlag. Alle Rechte vorbehalten.

Schreibe einen Kommentar