Biotin (Vitamin B7 | H)

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biotin
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Ein essentielles Vitamin mit vielfachen Funktionen

Biotin, zuweilen auch Vitamin B7 oder veraltet Vitamin H genannt, gehört zu den essentiellen Vitaminen, die der Organismus nicht in Biosynthese selbständig herstellen kann. Biotin muss über die Nahrung aufgenommen werden. Es handelt sich um ein wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex. Im Zellkern ist es an der epigenetischen Regulation der Genfunktion beteiligt. Im Stoffwechsel spielt es eine sehr wichtige Rolle. Allein neun bekannte Enzyme sind in ihrer Produktion abhängig vom Biotin. Es gilt als prosthetische Gruppe mehrerer Carboxylase-Enzyme, die am Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt sind.

Biotinbedarf

Biotinmangel schränkt die Funktion der Carboxylasen ein. Das äußert sich entsprechend im Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Das Krankheitsbild wird Multipler Carboxylasemangel genannt. Als Folge eines Biotinmangels wurden folgende Symptome beobachtet: Depression, Überempfindlichkeit und Fehlempfinden, Halluzinationen, Übelkeit, Haarausfall und brüchige Nägel, Hautstörungen, Blutarmut, Bewegungsstörungen, Muskelschmerzen, Störungen der Herzfunktion und erhöhte Anfälligkeit für Infektionen. Bei ausgewogener Ernährung muss nicht von einem Mangel durch Nahrung ausgegangen werden, gegebenenfalls muss ein Gendefekt geprüft werden. Welche Bedeutung das Vitamin für den menschlichen Organismus hat, zeigt, dass der Körper ein Recyclingsystem entwickelt hat, um die relativ geringen Mengen besser zu nutzen, die über die Nahrung aufgenommen werden. Der genaue Bedarf ist schwer zu ermitteln, es existieren keine aussagekräftigen Studien hierzu und in der Therapie ist man auf Plausibilitätsüberlegungen angewiesen. Derzeit empfiehlt das europäische RDA als wünschenswerte Zufuhr für den Erwachsene 50 µg/Tag.Es sind bisher beim Menschen keine schädlichen Folgen im Sinne einer Überdosierung aufgetreten.

Medizinische Verwendung von Biotin

Zur Prophylaxe eines Biotinmangels geht man von einer ausreichenden Menge von 0,2 mg Biotin täglich aus. Bei Patienten, die längere Zeit parenteral ernährt werden müssen (unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts) wird Biotin häufig in die Multivitaminpräparate für die Infusionslösungen integriert. In der Biotechnologie kann Biotin zur Markierung von Molekülen eingesetzt werden. Biotin kann die Insulinempfindlichkeit verbessern und die Aktivität des Enzyms Glucokinase stimulieren. In einer placebokontrollierten Studie mit insulinpflichtigen Diabetikern wurde bei einer täglichen Gabe von Biotin eine signifikante Reduzierung des Nüchternblutzuckerspiegels festgestellt.

Biotin und Kosmetik

Biotin ist daran beteiligt, Haut und Schleimhäute gesund zu erhalten. Wegen seiner wichtigen Bedeutung für gesunde Haut, glänzende Haare und stabile Nägel, Zellwachstum und Erhaltung von Blut- und Nervenzellen wird Biotin häufig für Kosmetika verwendet.

Biotin aus der Nahrung

In vielen pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln ist Biotin enthalten. Meist ist der Gehalt jedoch nicht sehr hoch. Gekochte Hühnereier enthalten ebenfalls Biotin, rohe Eier hingegen binden das Biotin sehr stark.

Folgende Beispiele beziehen sich jeweils auf 100 g des Lebensmittels:

  • Trockenhefe (200 μg),
  • Rinderleber (103 μg),
  • Eigelb (50 μg),
  • Sojabohnen (30 μg),
  • Haferflocken (20 μg),
  • Walnüsse (19 μg),
  • Champignons (12 μg),
  • ungeschälter Reis (12 μg),
  • Weizenmehl, Vollkornmehl (8 μg),
  • Fisch (7 μg),
  • Spinat (6 μg),
  • Rindfleisch, Schweinefleisch (5 μg),
  • Bananen (5 μg),
  • Kuhmilch (3 μg),
  • Äpfel (1 μg)

Aus pflanzlichen Lebensmitteln ist die Aufnahme in den Organismus leichter. Aus tierischen Produkten muss das Biotin zunächst herausgelöst werden. Bakterien der Darmflora sind in der Lage, verschiedene Vitamine zu bilden, darunter auch Biotin. Infolgedessen wird mehr Biotin ausgeschieden, als über Nahrungsmittel aufgenommen wird.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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