Bifidobakterien
(für gesunden Darm)

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bifidobakterien
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Krankheitsvermeidung und
Vitaminbildung

Bifidobakterien gehören zu den wichtigsten Bakterien der menschlichen Darmflora. Sie gehören zur Bakteriengattung Bifidobacterium (von lat. gespalten, gabelförmig) und der Familie der Bifidobacteriaceae. Im menschlichen Darm bauen diese nützlichen Bakterien in einem komplizierten Energiestoffwechsel Zucker ab und bilden ihn zu Essigsäure und Milchsäure um, verbunden mit einem positiven Effekt auf den ph-Wert im Darm. Der Magen-Darm-Trakt wird für gewöhnlich von mehreren hundert nicht pathogenen (unbedenklichen) Bakterien bevölkert, darunter den besonders bedeutsamen Stämmen des Bifidobakteriums, B. bifidum, B. adolescentis, B. breve, B. longum und B. infantis.

Wächter gegen schädliche Keime

Die Funktion des Bifidobakteriums schützt vor zahlreichen schädlichen Bakterien, Pilzen und anderen Keimen, die sich in dem sauren Milieu aus Milchsäure und Essigsäure nicht vermehren können. Diese spezielle Form der heterofermentativen Milchsäuregärung wird Bifidobaterium-Gärung genannt und ist unabdingbar für eine gute Gesundheit. Vor allem im Dickdarm sind die keimhemmenden Mikroorganismen in großer Zahl vorhanden, aber auch in der weiblichen Scheide. Außerdem bildet das Bifidobakterium wertvolle Vitamin, die der menschliche Organismus direkt über den Darm in den Blutkreislauf aufnehmen kann. Das Bifidobakterium kann das saure Milieu im Magen problemlos überstehen und es liegt daher nahe, den keimhemmenden Mikroorganismus für probiotische Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel ins Auge zu fassen.

Schutz vor Krankheiten
schon bei Neugeborenen

Wie wichtig die Bifidobakterien für den Menschen sind zeigt sich daran, dass sie zu den ersten Mikroorganismen gehören, die sich im Verdauungstrakt von Neugeborenen durch Aufnahme der Muttermilch ansiedeln und so für einen frühen Schutz vor Krankheiten sorgen. Auch bei Säuglingen, die nicht gestillt werden, siedeln sich die säurebildenden Bakterien im Magen-Darm-Trakt an. Der Anteil an Bifidobakterien macht bei Neugeborenen rund 90 Prozent der Mikroorganismen im Darm aus, bei Erwachsenen noch 25 Prozent.

Helfer bei vielen Lebensmitteln

Ein Gemisch von Bifidobakterien und anderen Milchsäurebakterien (Laktobazillen) wird bei der Herstellung von Joghurt, Kefir und anderen fermentierten Milchprodukten verwendet. Ebenso spielen Milchsäurebakterien eine Rolle bei Sauerkraut, fermentiertem Tee oder anderen vergorenen pflanzlichen Produkten. Durch Laktobazillen und Bifidobakterien fermentierte Lebensmittel sind länger haltbar, da sich Keime nicht so gut ausbreiten können. Bifidobakterien produzieren nicht so viele Säure wie andere Laktobazillen und werden daher gerne für mildschmeckende Produkte verwendet. Milchprodukte, die mit B. longum fermentiert wurden, können den Cholesterinwert im Blut senken. Das wird wahrscheinlich zurückgeführt auf Enzyme der Bifidobakterien, die die Cholesterol-Kontrolle des Körpers unterstützen. (vgl. J Dairy Sci, 2003 Jul, 86(7), S. 2452-2561).

Linderung nicht nur bei Durchfall und Reizdarm

Wenn Antibiotika die Darmbakterien angreifen, wodurch sich beispielsweise Durchfallkeime im Darm vermehren können, kann das B. longum bei Antibiotika-assoziierter Diarrhö helfen.

Reizdarm

Im Deutschen Ärzteblatt 2005, 102(28-29); A-2031 / B-1716 / C-1620 wird berichtet, wie in einer achtwöchigen Studie mit 77 Patienten mit Reizdarmsyndrom die Besserung aller Symptome außer Stuhlkonsistenz- und frequenz eintrat unter der Einnahme von Probiotika mit Lactobacillus salivarius oder Bifidobacterium infantis. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung leidet unter dem Reizdarmsyndrom. Es wird mittlerweile vermutet, dass das Fehlen von Bifidobakterien für das Reizdarmsyndrom überhaupt verantwortlich sein könnte. Nachweislich wirkt sich das Bakterium positiv bei Durchfallerkrankungen aus.

Scheideninfektion

Die säurebildenden Bifidobakterien schützen nicht nur im Darm vor Infektionen sondern auch in der weiblichen Vagina.

Immunsystem

Offenbar können Bifidobakterien die Antikörperproduktion für die Immunabwehr stimulieren. Außerdem bilden sie wertvolle Vitamine, die direkt durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Durch die große Schleimoberfläche bietet der Darm ein Einfallstor für schädliche Keime, wenn die Darmflora geschwächt ist. Der Kontakt mit pathogenen Keimen kann schwerste Erkrankungen auslösen sowie Folgeerscheinungen wie Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Neurodermitis. Deshalb ist die Aufrechterhaltung der Darmflora für das immunologische Abwehrsystem eine große Rolle.

Krebserkrankungen

Seit 1940 wird vermutet, dass Krebserkrankungen, insbesondere im Dickdarmbereich, durch den abnormalen Abbau von Gallensäuren hervorgerufen werden könnten. 1974 wurden die ersten statistischen Daten zu täglichem Konsum von Fleisch und tierischem Eiweiß und der Häufigkeit von Coloncarcinomen veröffentlicht. Fett- und Eiweißkonsum spielen statistisch auch eine Rolle für Brustkrebsentwicklung. Steroidsubstrate, die in Verbindung mit täglicher Fettaufnahme stehen, können möglicherweise Östrogene aus Steroiden der Gallenflüssigkeit bilden.

Wie kann die keimhemmende
Darmflora unterstützt werden?

Zum Abbau von Zucker benötigt das Bifidobakterium bestimmte pflanzliche Ballaststoffe wie Inulin. Wer regelmäßig pflanzliche Nahrungsmittel mit geringem Stärkeanteil zu sich nimmt wie zum Beispiel Bohnen, Brokkoli oder Kohl kann das Wachstum der Bifidobakterien im Darm begünstigen. Milchsäurebakterien wie beispielsweise Lactobacillus gasseri können beim Wiederaufbau der Darmflora helfen. Die Ernährung beeinflusst die Darmflora.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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