Ayahuasca – altes Schamanenwissen

ayahuasca
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Liane der Geister

Die Liane Banisteriopsis caapi wächst im südamerikanischen Dschungel. Ein Pflanzensud aus dieser Liane und den Blättern des Kaffeestrauchgewächses Psychotria viridis hat es in sich. Er wird Ayahuasca genannt und ihm werden heilende Kräfte zugeschrieben. Das psychoaktive Getränk versetzt nicht nur Amazonas-Ethnien in Trance, sondern soll nach neuesten Erkenntnissen unter anderem bei Alkoholismus und Depression wirkt. Welche therapeutischen Eigenschaften stecken in dieser Pflanze, die in den meisten europäischen Ländern illegal ist?

Schamanen Rituale

Bei den Schamanen Südamerikas spielte Ayahuasca bei Ritualen eine zentrale Rolle. Der halluzinogene Pflanzensud verändert die Wahrnehmung, was in rituellen religiösen Zeremonien eingesetzt wurde, um sich in einen Trance-Zustand zu versetzen. Horrortrips können ebenfalls die Folge sein. Auch wird davor gewarnt, dass die Einnahme von Ayahuasca in Kombination mit einigen Drogen und Medikamenten lebensbedrohliche Wechselwirkungen haben kann.
Im 20. Jahrhundert sind in Brasilien diverse Ayahuasca-Religionen entstanden, darunter União do Vegetal, Barquinha und Santo Daime. Der religiöse Gebrauch von Ayahuasca ist in Brasilien rechtlich garantiert. Seit 2006 darf Ayahuasca legal in den USA für rituelle Zwecke verwendet werden.

Forschung

In Brasilien wird schon lange die therapeutische Wirkung von Ayahuasca erforscht. Laut Eduardo E. Schenberg von der Federal University of São Paulo verdient die Pflanze längst erhöhte Aufmerksamkeit durch die Forschung. Die hochwirksamen Harman-Alkaloide im Ayahuasca sind nicht nur für die psychoaktive Wirkung verantwortlich, sondern haben auch einen therapeutischen Effekt. So sollen sie durch die Aktivierung der halluzinogenen Substanz Dimethyltryptamin (DMT) eine wachstumshemmende Wirkung bei bösartigen Tumoren zeigen (laut Schenberg). Aktuelle Studien bringen jedoch weitere Heilwirkungen dieser ungewöhnlichen Pflanze zu Tage.

Alkoholismus

Der Wissenschaftler Robert Rhatigan von der Universität New Mexico (USA) versuchte über zehn Jahre vergebens vom Alkohol loszukommen. Da keine Behandlung Erfolgreich war, begab er sich auf einer Reise zum Amazonas in die heilenden Hände eines Schamanen. Rhatigan schildert, wie sich bei insgesamt vier Ritualen mit Ayahuasca sein Bewusstsein veränderte. Die verschiedenen Bestandteile seines Geistes lösten sich frei schwebend in Puzzleteile auf. Dieser Zustand dauerte ca. zwei Stunden und wurde von Gesängen und Reinigungsritualen begleitet. Am Ende der Zeremonie setzten sich die Puzzleteile wieder zusammen, nur eins blieb übrig: Das Stück, das mit seiner Alkoholkrankheit in Verbindung stand.
Fest davon überzeugt davon, dass der Ayahuasca-Trank sein Alkoholproblem visualisiert und ausgesondert hat, fühlte sich der Wissenschaftler von seiner Alkoholkrankheit geheilt.

Meine Transformation ist natürlich weit davon entfernt,
in der westlichen Medizin verstanden zu werden.
(Robert Rhatigan)

Depressionen

Forschungsinstitute, Krankenhäuser und Geheimdienste experimentieren mit sehr starken psychoaktiven Substanzen. Nur Ayahuasca gehörte bislang nicht zum Gegenstand der Forschung. Der Psychiater Professor Luis Fernando Tófoli von der Landesuniversität von Campinas, kurz UNICAMP, ist der Koordinator des Labors für Interdisziplinäre Studien an Psychoaktiven Drogen in Brasilien. Er untersuchte die Wirkung von Ayahuasca auf  zwei Männer und vier Frauen mit mittleren bis starken Symptomen von Depressionen. Trotz einmaliger Gabe des Pflanzensuds erfuhren alle Probanden eine positive Veränderung. Insgesamt wurden die Probanden 8 Mal schriftlich über ihren Zustand befragt. Von 40 Minuten nach Einnahme bis drei Wochen danach. Die positive Veränderung des Gemütszustandes war bereits wenige Stunden nach der Einnahme des Trankes offensichtlich. Bis auf vereinzelt auftretende Übelkeit und Erbrechen waren keine Nebenwirkungen aufgetreten. Die positive Erfahrung überwog, egal ob es sich um gedrückter Stimmung, Konzentrationsschwäche oder Suizidabsichten handelte. Damit wirkte Ayahuasca schneller und vielversprechender als die üblichen Antidepressiva und hatte dabei nicht die Nebenwirkungen.

Medienecho 

Nachdem die Studie im Fachblatt Nature veröffentlicht worden war, bekamen die Forscher Anfragen aus dem In- und Ausland. Das Interesse an Ayahuasca war erstaunlich. Da es sich lediglich um eine nicht repräsentative Pilotstudie handelte, mussten die brasilianischen Forscher zurückhaltend reagieren. Aber sie versprachen, dass künftige Studien umfassender und aussagekräftiger ausfallen würden. Dann solle auch untersucht werden, wie sich Ayahuasca auf den Organismus und die Gehirntätigkeit auswirkt.
Das Potential von Ayahuasca ist noch lange nicht ausgeschöpft. Bleiben wir neugierig.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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