Anthocyane

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anthocyane
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Pflanzenfarbstoff als Antioxidans

Blaue Beeren sind besonders reich an Anthocyanen (von altgriechisch ánthos, die Blume und kyános, dunkelblau). Das sind sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Flavon-ähnlichen Stoffe, der sogenannten Flavonoide. Dieser wasserlösliche Pflanzenfarbstoff findet sich in Blaubeeren, Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren und vielen anderen Pflanzen, die eine rote, violette oder blaue Färbung aufweisen, so auch in Rotkohl, Auberginen und Usambaraveilchen. Ihre Bedeutung erhalten die Anthocyne durch ihre hochantioxidative Wirkung, die teilweise die von Vitamin C noch übertreffen soll. In Kombination mit Vitamin C und Eisen kann beispielsweise Myrtillin, das aus Blaubeeren gewonnene Anthocyans, blutbildend wirken und die Elastizität von Blutgefäßen kräftigen, in Venen und Kapillaren ebenso wie im Gehirn und in den Augen.

Für Augen und Abwehrkräfte

Anthocyane wirken stark antioxidativ und können damit als hochwirksame Radikalfänger reaktive Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle unschädlich machen, indem sie ein Elektron abgeben, ohne selbst zu oxidieren. Hydroxyl, Peroxylradikale sowie Singulett-Sauerstoff und Stickstoffoxide können neutralisiert werden. Die Schädigung durch freie Radikale von gesundheitserhaltenden Proteinen, Lipiden und Zellkern-DNA in den Zellen soll verringert werden. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden auf diese Weise unterstützt und entzündungshemmende Effekte angekurbelt. Gerade im Zusammenspiel mit Vitamin C und Selen haben Studien auf eine antimikrobielle Wirkung hingewiesen. Anthocyane sollen die Blutgerinnung verzögern und die Thrombozytenaggregation reduzieren. Das Entgiftungssystem der Leber kann angeregt und Schadstoffe sowie Kanzerogene können ausgeschieden werden. Die Forschung rund um Flavonoide ist noch relativ jung und viele Hinweise sind noch nicht wissenschaftlich bestätigt. Aber die Forschungsaktivitäten erklären, weshalb schon früher die Volksmedizin gerade bei Nachtblindheit und Lichtempfindlichkeit der Augen die wohltuenden Kräfte von Blaubeere, Johannisbeere & Co. pries.

Unterschätzter Wirkstoff gegen Krebs?

Menschen mit einer obst- und gemüsereichen Ernährung erkranken weniger häufig an Darmkrebs. Daraus wird die Vermutung abgeleitet, dass Anthocyne aus sekundären Pflanzenstoffen vor Darmkrebs schützen können. Es wurden Tests an Zellkulturen durchgeführt, bei denen menschliche Kolonkarzinomzellen dosisabhängig auf die Substanz aus Anthocyane von Obst- und Gemüsesorten wie beispielsweise Holunderbeeren, Blaubeeren und blauen Trauben reagierten. Je nach Menge und dem Typ des Anthocydans in der Pflanze, aus der der Stoff extrahiert wurde, sei das Wachstum den Krebszellen in der Zellkultur beeinflusst und auch verringert worden. Offenbar seien Pigmente der Apfelbeere (Aronia) besonders wirksam, da sie nicht nur das Wachstum der humanen Krebszellen in dem Zellkultur-Test eingeschränkt haben sollen sondern die Zellen zu 20 Prozent abgetötet haben sollen. Im Tierversuch sollen sich Krebssymptome von Ratten mit Darmkrebs um 60 bis 70 Prozent gegenüber der Kontrollgruppe reduziert haben, wenn die erkrankten Tiere mit Anthocyanextrakten aus Blaubeere und Aronia gefüttert wurden.

Natürliche Vorkommen

Açai-Beere, Holunderbeeren, Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren, rote Johannisbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Kirschen, Sauerkirschen, Blutorangen, Trauben, Rotkohl, Auberginen und sogar Rotwein enthalten Anthocyane in unterschiedlichen Mengen. Über 200 Typen von Anthocanen sind bekannt. Meist stecken die sekundären Pflanzenstoffe in Blüten und Früchten, aber sie kommen auch in Wurzeln und Blättern vor. Aus einem Kilogramm Brombeeren können nur 20g Schale gewonnen werden. Auch wenn kleine Mengen der Flavonoide aufgenommen werden, kann der menschliche Organismus sie gut verwerten. In der Pflanze übernehmen Anthocyane die Funktion von Absorption des kurzwelligen UV-Lichts der Sonne in der äußeren Schale um eine Schädigung der Proteine und Zell-DNA zu verhindern, sie locken durch ihre Farben Tiere an und sorgen so für Verbreitung und nicht zuletzt sollen sie freie Radikale binden, die durch oxidativen Stress entstehen.

Der Farbstoff wurde 1849 erstmals erforscht. Das Anthocyans der Kornblume konnte 1913 von Richard Willstätter isoliert werden und wurde zum Namensgeber einer ganzen Gruppe von Verbindungen. Die meisten Anthocyane leiten sich von Cyanidin und Delphinidin ab.

Hinweis

Diese Informationen sind für Interessierte zur Weiterbildung gedacht und dienen nicht dem Ersatz für ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnose oder Therapieanweisungen. Urs Buergi weiß, dass es in der Medizin keine Methoden gibt, die zu 100% funktionieren. Jeder Mensch ist und reagiert anders. Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die direkt oder indirekt aus dem Gebrauch dieser Angaben entstehen könnten wird deshalb nicht übernommen. Nehmen Sie bitte niemals Medikamente (Heilkräuter eingeschlossen) ohne Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein.

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